Nunatak gewinnt Claudia Linnhoff-Popien für Advisory Board

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Nunatak gewinnt Claudia Linnhoff-Popien für Advisory Board

Frau Professor Linnhoff-Popien, Sie sind Professorin für Mobile und Verteilte Systeme an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Was müssen wir uns unter diesem Titel vorstellen?

Mit „Mobile und Verteilte Systeme“ meinen wir, dass es heute nicht mehr nur den Großrechner gibt, sondern viel interagierende Rechenleistung. Smartphones und Wearables sind wesentlicher Teil des Mobilen Systems. Telekommunikation und IT wachsen immer enger zusammen. Heute kann man fast jedes Gerät mit seiner Umgebung vernetzen: von der Zahnbürste, die die Gesundheitspflege der Versicherung meldet, bis hin zum Aufzug, der proaktiv bei Bedarf kommt. Es findet eine Digitalisierung der Anwenderindustrie statt. Autos erkennen Ampelphasen, die Blockchain hält Einzug in die Finanzindustrie, Quantencomputing wird gänzlich neue Problemlösungen ermöglichen. IT und Anwendungsindustrie verschmelzen, das ist faszinierend.

Was sind die relevantesten Projekte, an denen Sie derzeit gemeinsam mit Akademikern und Praktikern arbeiten?

Gemeinsam mit dem Kofferhersteller Rimowa, T-Systems und Airbus haben wir den ersten intelligenten Koffer der Welt entwickelt. Normalerweise bekommt man beim Check-in am Flughafen einen Papieranhänger. Wir haben einen Electronic Tag entwickelt, der als digitales Display im Koffer integriert ist. Das beschleunigt zum Beispiel den Check-in Prozess und macht das Reisen bequemer. Schon zu Hause kann man die Gepäckinfo aufs Display transferieren und den Koffer per App selbst tracken.

Mit Daten vom Kreisverwaltungsreferat München und BMW haben wir eine Software entwickelt, die errechnet, wie schnell ein Auto für eine grüne Welle fahren muss. Testfahrzeuge von BMW zeigen die empfohlene Geschwindigkeit bereits auf dem Tacho an. Mit Siemens arbeiten wir an Konzepten für die autonome Fabrik der Zukunft. 

Sie entwickeln also Innovationen für die reale Welt und nicht für die Schublade?

Genau. Mein aktuelles Lieblingsprojekt am Lehrstuhl beschäftigt sich mit Quantencomputing. Von den Rechnern gibt es nur sehr wenige auf der Welt, sie sind sehr teuer und führen Berechnungen in einer vollständig anderen Art und Weise aus, als klassische Computer dies tun. Gemeinsam mit Volkswagen überlegen wir, wie diese Rechnerkapazität eingesetzt werden kann, um beispielsweise Verkehrsströme global zu optimieren. Global bedeutet hier, dass Autofahrern in Chaosstädten wie Peking verschiedene Routen vorgeschlagen werden, um Staus zu vermeiden – ein Teil der Fahrer wird linksherum dirigiert, ein Teil rechtsherum und einige fahren geradeaus.

Sie sind auch Initiatorin und Vorsitzende der Digitalen Stadt München. Warum gerade München? 

München ist das Silicon Valley Europas. Die Anwenderindustrie ist hier sehr stark. Es sind alle Branchen vertreten, von der Automobil- über die Pharma- und Chemieindustrie, bis hin zu Banken und Versicherungen. Der Verein Digitale Stadt München e.V. ist ein branchenübergreifendes Netzwerk, das unseren Mitgliedern hilft, visionär zu denken und Veränderungen umzusetzen. Er vernetzt Unternehmen, Gründer, Medien und Forschungseinrichtungen rund um die Digitalmetropole München. Der Verein möchte aus München eine Smart City machen und die Kreativität der hier ansässigen, starken Anwendungsindustrie mit dem Potenzial der IT-Player erfolgreich verschmelzen.

Überregional gesehen, was sind aus Ihrer Sicht die größten Digitalisierungs-Baustellen in deutschen Unternehmen? Wie sollte die Politik unterstützen?

Es ist schwierig, Digitalisierungsbaustellen zu verallgemeinern. Viele Digitalisierungserfolge finden im Verborgenen statt, sie betreffen zum Beispiel Prozessverbesserungen in Unternehmen. Die sieht man von außen nicht. Ein gutes Beispiel, wie die Politik unterstützen kann, ist das vom Freistaat Bayern mit gut 5 Millionen Euro finanzierte „Innovationszentrum Mobiles Internet“. Ich leite das Projekt, erforsche mit rund 15 Mitarbeitern die mobile Internetnutzung. In Kooperation mit verschiedenen Firmen setzen wir Frühphasen von Innovationen um. Oft weiß der Kunde gar nicht genau, waser möchte. Mit der Kreativität unserer Gruppe wenden wir dann neuste IT-Forschungsergebnisse auf ihre Anwendungsgebiete an, generieren neue Ideen und bewerten das Ergebnis nach Begeisterung und Faszination der Nutzer sowie dem potenziellen wirtschaftlichen Nutzen.

Warum haben Sie sich entschieden, dem Advisory Board von The Nunatak Group beizutreten?

Die Arbeit von Nunatak ist sehr spannend. Als Strategieberatung ist Nunatak sehr nah an den Mandanten und weiß genau, welche digitalen Problemstellungen diese beschäftigen. Ich lege sehr viel Wert darauf, meinen Studenten nicht nur Theorie zu vermitteln. Bis zu 700 Studenten pro Vorlesung sind eine große Verantwortung. Ich möchte ihnen konkrete Beispiele aus dem Unternehmensalltag zeigen. Von Nunatak und den anderen Mitgliedern des Advisory Boards verspreche ich mir, einiges dazu zu lernen.

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